Reisedurchfall: Was hilft? Symptome, Behandlung und Vorbeugung
Reisedurchfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen während Ferien im Ausland. Verunreinigte Lebensmittel oder Trinkwasser können bereits nach wenigen Tagen zu Durchfall, Bauchkrämpfen und Übelkeit führen. Erfahren Sie, welche Ursachen dahinterstecken, was im Akutfall hilft und wie Sie das Risiko für Reisedurchfall wirksam reduzieren können.
Was ist Reisedurchfall?
Von Reisedurchfall spricht man, wenn während einer Reise oder kurz nach der Rückkehr mindestens drei ungeformte oder wässrige Stühle innerhalb von 24 Stunden auftreten. Häufig kommen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen oder leichtes Fieber hinzu.
Die Erkrankung beginnt meist innerhalb der ersten Reisetage, kann aber auch erst nach der Rückkehr auftreten.
Wie entsteht Reisedurchfall?
Die häufigste Ursache sind Krankheitserreger, die über verunreinigte Lebensmittel oder Trinkwasser aufgenommen werden. Besonders häufig handelt es sich um Bakterien wie Escherichia coli (ETEC), aber auch Viren oder Parasiten können verantwortlich sein.
Das Infektionsrisiko steigt unter anderem durch:
- ungekochtes oder rohes Fleisch
- rohe Meeresfrüchte
- unzureichend gewaschenes Obst und Gemüse
- Leitungswasser
- Eiswürfel aus unsicherem Wasser
- nicht pasteurisierte Milchprodukte
- Speisen, die längere Zeit ungekühlt gelagert wurden
Bereits kleine Mengen verunreinigter Nahrung können ausreichen, um Beschwerden auszulösen.
Welche Reiseziele sind besonders betroffen?
Das Risiko für Reisedurchfall ist nicht überall gleich hoch. Besonders häufig tritt die Erkrankung in Regionen mit niedrigeren Hygienestandards auf.
Dazu gehören unter anderem:
- Süd- und Südostasien
- Indien
- Afrika
- Mittel- und Südamerika
- Teile des Nahen Ostens
Auch in beliebten Ferienregionen können einzelne Lebensmittel oder hygienische Mängel zu einer Infektion führen.
Typische Symptome
Die Beschwerden beginnen oft plötzlich und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- wässriger Durchfall
- Bauchkrämpfe
- Übelkeit
- Erbrechen
- Blähungen
- Appetitlosigkeit
- leichtes Fieber
- allgemeines Krankheitsgefühl
Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb von drei bis fünf Tagen vollständig.
Was hilft bei Reisedurchfall?
Die wichtigste Massnahme besteht darin, den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Durch häufigen Durchfall verliert der Körper grosse Mengen Wasser und Elektrolyte.
Geeignet sind:
- stilles Wasser
- ungesüsster Tee
- klare Bouillon
- orale Elektrolytlösungen aus der Apotheke
Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Empfehlenswert sind leicht verdauliche Lebensmittel wie Reis, Kartoffeln, Bananen, Zwieback oder geriebener Apfel. Auf fettige Speisen, Alkohol sowie stark gewürzte Mahlzeiten sollte vorübergehend verzichtet werden.
Medikamente gegen Durchfall können die Beschwerden kurzfristig lindern. Präparate mit dem Wirkstoff Loperamid eignen sich jedoch nur bei unkompliziertem Reisedurchfall und sollten nicht angewendet werden, wenn hohes Fieber oder Blut im Stuhl auftreten. In diesen Fällen muss der Erreger den Darm verlassen können.
Antibiotika sind nur in bestimmten Situationen sinnvoll und sollten ausschliesslich nach ärztlicher Beurteilung eingenommen werden.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen heilt Reisedurchfall von selbst aus. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine ärztliche Abklärung wichtig ist.
Suchen Sie medizinische Hilfe auf, wenn:
- der Durchfall länger als drei bis fünf Tage anhält
- Blut oder Schleim im Stuhl auftritt
- hohes Fieber besteht
- starke Bauchschmerzen auftreten
- Sie kaum noch trinken können
- Zeichen einer Austrocknung wie Schwindel, trockene Schleimhäute oder verminderte Urinausscheidung auftreten
Besondere Vorsicht gilt bei kleinen Kindern, älteren Menschen, Schwangeren sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Kann man Reisedurchfall vorbeugen?
Ein hundertprozentiger Schutz ist nicht möglich. Mit einigen einfachen Verhaltensregeln lässt sich das Risiko jedoch deutlich senken.
Bewährt hat sich die Regel:
"Cook it, peel it or leave it."
Das bedeutet:
- Speisen möglichst frisch und gut durchgegart essen.
- Obst möglichst selbst schälen.
- Auf rohe Lebensmittel verzichten, wenn deren Herkunft unklar ist.
- Nur abgefülltes Wasser oder abgekochtes Wasser trinken.
- Keine Eiswürfel verwenden, wenn die Wasserqualität unbekannt ist.
- Regelmässig Hände waschen oder desinfizieren.
Sind Probiotika sinnvoll?
Ob Probiotika Reisedurchfall zuverlässig verhindern können, ist wissenschaftlich bisher nicht eindeutig belegt. Einige Studien zeigen einen möglichen Nutzen, andere konnten keinen klaren Effekt nachweisen.
Wer bereits gute Erfahrungen mit Probiotika gemacht hat, kann diese nach Rücksprache mit einer Fachperson einsetzen. Einen sicheren Schutz bieten sie jedoch nicht.
Fazit
Reisedurchfall ist unangenehm, verläuft aber in den meisten Fällen unkompliziert. Ausreichend Flüssigkeit, eine leicht verdauliche Ernährung und etwas Geduld reichen häufig aus, bis sich der Darm wieder erholt. Treten jedoch hohes Fieber, Blut im Stuhl oder Anzeichen einer Austrocknung auf, sollte rasch eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Mit einer sorgfältigen Lebensmittelhygiene und einfachen Vorsichtsmassnahmen lässt sich das Risiko für Reisedurchfall deutlich reduzieren – damit die Ferien möglichst unbeschwert bleiben.
«Ich berate Sie gerne kompetent in all Ihren Fragen.»
Roger Wanner, Arzt